Was Tantra nicht ist – und warum so viele am Eingang scheitern
on January 27, 2026

Was Tantra nicht ist – und warum so viele am Eingang scheitern

Tantra ist eines der am meisten missverstandenen Felder von Nähe und Berührung. Nicht, weil es kompliziert wäre, sondern weil es ständig mit Erwartungen überlagert wird.

Viele Menschen glauben zu wissen, was Tantra ist,
bevor sie je bereit waren, wirklich hinzusehen.

Und genau dort scheitern sie – nicht im Raum,
sondern bereits am Eingang.

In meiner Arbeit begegne ich diesem Missverständnis täglich.
Nicht, weil Tantra falsch verstanden wird,
sondern weil viele Menschen den Raum betreten,
ohne bereit zu sein, ihre Erwartungen zurückzulassen.

Dieser Text beschreibt das Feld, aus dem meine Art der Körperarbeit entstanden ist und warum sie sich davon unterscheidet.



Tantra ist kein Versprechen auf Lust

Eine der hartnäckigsten Vorstellungen ist diese:
Tantra soll etwas schön machen.

Doch Tantra verspricht nichts.

Lust kann auftauchen. Ebenso Unruhe, Widerstand, Leere oder Klarheit.

Wer Tantra betritt, um sich besser zu fühlen, verlässt es oft enttäuscht oder flüchtet in Fantasie.

Nicht, weil Tantra versagt hätte, sondern weil die Erwartung falsch gesetzt war.



Tantra ist kein Ort für Projektionen

Viele kommen mit inneren Bildern:

  • von Sinnlichkeit,
  • von Nähe,
  • von weiblicher oder männlicher Energie,
  • von etwas Archaischem, Heiligem oder Erotischem.

Diese Bilder sind nicht falsch.
Aber sie sind nicht Tantra.

Tantra beginnt dort, wo Bilder ihre Macht verlieren und Erfahrung übernimmt.

Wer an Bildern festhält, begegnet nicht - er inszeniert.



Tantra ist kein Ersatz für Beziehung

Ein weiterer Irrtum:
Tantra als Raum, in dem etwas nachgeholt, ersetzt oder kompensiert wird.

Nähe, die im Leben fehlt.
Berührung, die lange nicht da war.
Kontakt, der sonst vermieden wird.

Tantra ist kein Ersatzraum.

Was nicht im eigenen Leben getragen wird, kann hier nicht abgegeben werden.

Im Gegenteil:
Tantra macht sichtbar, wo jemand Verantwortung meidet.



Warum viele gar nicht erst eintreten

Viele Menschen spüren unbewusst,
dass Tantra etwas verlangt.

Keine Leistung.
Keine Technik.
Sondern Entscheidung.

Die Entscheidung,

  • sich nicht zu verstecken,
  • nicht zu konsumieren,
  • nicht zu verhandeln.

Und genau hier kehren viele um.

Nicht aus Angst, sondern aus fehlender Bereitschaft.



Tantra beginnt vor der Berührung

Tantra beginnt nicht mit Berührung.
Es beginnt mit Haltung.

Mit der Frage:
Bin ich bereit, anwesend zu bleiben, auch wenn nichts passiert, was meinen Vorstellungen entspricht?

Wer diese Frage nicht ehrlich beantworten kann, wird Tantra immer missverstehen.



Eine klare Grenze

Tantra ist nicht für Menschen, die etwas erleben wollen.

Es ist für Menschen, die bereit sind, sich selbst zu begegnen ohne Versprechen, ohne Ablenkung.

Und genau deshalb ist Tantra kein Feld für alle.